Ein Leben in Cyan

gi Ein Leben in Cyan

otanikerin, Zeichnerin, Blaudruckerin. Anna Atkins, zeitlebens öffentlich kaum anerkannt für ihre Arbeit, ist heute nicht mehr wegzudenken aus der Kunst der botanischen Cyanotypien. Dieser blau-weißen Bilder, die durch die Reaktion von Eisenverbindungen mit UV-Licht entstehen, Fotogramme, detaillierte Abdrücke von allem, was man auflegt. Anna Atkins legt Algen auf. Weil in ihren Augen «die Cyanotypien eine Verortung sind, Bleibendes schaffen. Für all diese Algen.»

Ende des 19. Jahrhunderts kommt Atkins im Südosten Englands zur Welt, hineingeboren in einen Kreis von Forschenden, in dem sie intellektuell wachsen darf – auch wenn die Universitäten ihr als Frau den Zugang verwehren. Ihr alleinerziehender Vater, John Children, sorgt dafür, dass sie mit den Entwicklern fotografischer Verfahren in Berührung kommt. Atkins gilt mit ihrem knallblauen Algen-Herbarium als die allererste Fotografin. Mit Für Anna. Eine Belichtung hat Simone Scharbert eine ungewöhnliche Biografie geschrieben, die ähnlich mäandert und Schritt für Schritt forscht, wie es Atkins selbst getan haben mag. Poetisch nähert sie sich dem Alltag der Fotografin an, spart nicht aus, welche Rolle die Kolonialmacht England zu ihren Lebzeiten spielte und woher auch ihr, Atkins’, Geld kam. Erzählt von Beziehungen zu Menschen. Aber vor allem von der Beziehung zum Licht, das Atkins durchs Leben trägt. lib