STÄDTE UNTERM RADAR: BŘECLAV
Eisenbahnknoten zwischen den Metropolen
«Seehöhe 162.273 Meter» – Die frisch renovierte Höhenmarke aus kakanischen Zeiten ist ein Ausstellungsobjekt des kleinen, gratis zugänglichen Eisenbahnmuseums im Bahnhof Břeclav. Internationale Tourist:innen steigen hier zwischen den sechs Hauptstädte verbindenden Eurocitys um, österreichische Radausflügler:innen bevorzugen die Anreise mit dem REX und radeln weiter zu den LiechtensteinSchlössern bei Lednice und Valtice, auch die March-Thaya-Auen samt dem Schlösslein Pohansko (großmährische Ausgrabungsstätte!) sind lohnende Ziele. Die wenigsten bleiben länger und nehmen Beppo Beyerls Na Pivo als Reiseführer zur Erkundung der vielfältig mit Wien verbundenen Grenzstadt: Hier war im 19. Jahrhundert die jüdische Industriellenfamilie Kuffner ansässig, betrieb eine Brauerei und ab 1862 die größte Zuckerfabrik der Monarchie. Die Vettern Ignaz und Jakob hatten schon 1850 in Wien die Ottakringer Brauerei übernommen, ersterer stiftete in Břeclav den Ausbau des vor Kurzem renovierten jüdischen Friedhofs, sein Grabmal weist ihn als gewesenen Bürgermeister von Ottakring aus; Sohn Moriz finanzierte aus dem Erbe in Wien die KuffnerSternwarte. Neben dem Besuch der Synagoge empfiehlt sich die Besteigung des Schlossturms: Der Fernblick reicht von den Kleinen Karpaten bis hin zu den nördlich von Mikulov gelegenen Bergen der Pálava; das Weinviertel wiederum ist an den Windrädern eindeutig erkennbar.
Text & Foto: Anton Tantner
Das Schloss Břeclav wird derzeit renoviert, nur der Turm ist zugänglich
